08.09.22

Ökosysteme in der Praxis – Das Erfolgsrezept

*Mit freundlicher Genehmigung von den Versicherungsforen Leipzig und onpier

Versicherungen haben aufgrund ihrer Vertriebsstrukturen eine wenig interaktive Beziehung zu ihren Versicherungsnehmern. So kennen Vergleichsportale, Makler und Ausschließlichkeitsvertreter die Kunden deutlich besser. Auch wenn das Produkt Versicherungen zukünftig relevant bleiben wird, so ist die Gefahr groß, dass die Versicherungsunternehmen selbst zunehmend in den Hintergrund rücken und den Kontakt zur Kundenschnittstelle gänzlich verlieren. Stattdessen würden die Produkte dann mittels Embedded Insurance von Tech-Giganten und digitalen Start-ups angeboten werden, die interaktionsbasiert sind und permanent analysieren, welche Präferenzen ihre Kunden haben. Das ermöglicht ihnen eigene, passgenauere Angebote zu entwickeln und resultierend an Relevanz für die Versicherungsnehmer zu gewinnen.

Um dieser Entwicklung vorzubeugen, müssen Versicherer die Kundenbindung stärken und sich als wichtiger Lebensbegleiter für die eigenen Versicherungsnehmer etablieren, indem sie in Erscheinung treten, wo der Kunde einen konkreten Bedarf hat. Durch direkte Interaktionen und des damit einhergehenden Datenaustausches, können Versicherer eine ganzheitliche, datenbasierte 360-Grad-Sicht auf ihre Kunden erlangen. Für die Erschaffung der Interaktionen an der Kundenschnittstelle müssen Versicherungen ihr Angebot mit Mehrwertservices ausbauen, die über das Kerngeschäft hinausgehen und sich am Bedarf der Kunden orientieren.

Das lässt sich mit einem Ökosystem realisieren, in welchem sich mehrere Akteure für Kooperationen über Branchengrenzen hinweg zusammenschließen, um gemeinsam einen größeren Wert für die Kunden zu erzielen, als es im Alleingang möglich wäre. Versicherer müssen eine Ökosystem-Perspektive annehmen, um eigene Lösungsangebote mit komplementären Mehrwertservices anderer Anbieter exponentiell ausbauen und Netzwerkeffekte erfolgreich nutzen zu können.

Die Herausforderungen von Ökosystemen

Dass die Versicherungsbranche das transformative Potenzial von Ökosystemen bereits erkannt hat, darauf lässt allein die umfassende Berichterstattung schließen. Allerdings scheint es bei der Realisierung der vermeintlich einfachen Theorie von Ökosystemen in die Praxis, bislang beachtliche Herausforderungen zu geben. Oder wie der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Oliver Bäte, es meinte: „Ökosysteme sind schnell gesagt, aber schwer gemacht“.1 

Der Kern des Ökosystem-Gedankens ist die konsequente Ausrichtung an den Kundenbedürfnissen. Denn sie entscheiden über Erfolg oder Misserfolg. Aus diesem Grund verfolgen bereits mehrere Versicherer eine Ökosystem-Strategie mit genau diesem Kerngedanken, vergessen dabei aber wichtige Punkte, die für die Realisierung von Ökosystemen ausschlaggebend sind. Beispielsweise den ganzheitlichen Bauplan und das nötige Mindset. Vor allem wird oft die grundlegende Technologie aus den Augen gelassen. Dabei bildet sie die Basis für neue Arten der Gestaltung von Netzwerkeffekten und wirkt als Katalysator für Ökosysteme. Konkret bedeutet das, Versicherungen benötigen eine technologische Grundlage, welche dazu befähigt, an Ökosystemen teilzunehmen oder sie eigenständig aufzubauen.

onpier: Der Beweis, dass das Unmögliche möglich ist

Das Unternehmen onpier (eine Marke der PRISMA Plattform GmbH) ist der Beweis, dass Ökosysteme tatsächlich schnell und erfolgreich von der Theorie in die Praxis umgesetzt werden können. Innerhalb von wenigen Monaten wurde eine branchenoffene B2B2C-Plattform auf Basis der Service Dominierten Architektur und der Technologie der SDA SE mit wichtigen Grundfunktionen aufgebaut und wird seitdem ständig weiterentwickelt. Ganz nach dem gewählten Motto „Einfach andocken. Mehrfach profitieren“, stellt onpier auf seiner Plattform Mehrwertservices von versicherungsfremden Partnern den Versicherern zur Verfügung. Dabei können sich die Versicherungsunternehmen die relevanten Mehrwertservices einfach auswäh- len, bei sich integrieren und unmittelbar für den Kunden nutzbar machen. So sollen durch ein umfassenderes Angebot an Mehrwertservices der Versicherer attraktive Zusatznutzen für die entsprechenden Kunden geschaffen werden.

Einer der ersten Use Cases ist der Mehrwertservice Autoankauf. Als First Mover starten die Versicherungsunternehmen HUK-COBURG, HDI und LVM, sodass zukünftig bereits 18 Millionen Kunden profitieren können.

Plattformen sind der Schlüssel zum Erfolg

Wie kann onpier es schaffen, in kürzester Zeit ein Ökosystem aufzubauen? Die Lösung ist einfach: Das Unternehmen verfolgt einen Plattformansatz. Diese Eigenschaft haben erfolgreiche Geschäftsmodelle immer häufiger gemeinsam. Denn Plattformen fungieren als einheitliche Drehscheibe zwischen verschiedenen Akteuren und orchestrieren Interaktionen, Ressourcen und Daten. So wird der Zweck von Plattformen, nämlich die Schaffung von Gebrauchsnutzen für die Kunden, realisiert.

Die Charakteristika von Plattformen2

Durch ihre Eigenschaften und den damit einhergehenden Vorteilen sind lediglich Plattformen in der Lage, die Teilnahme an oder den Aufbau von Ökosystemen zu befähigen. Um den Übergang vom Plattform- zum Ökosystem-Modell effizient umsetzen zu können, müssen drei signifikante Faktoren Berücksichtigung finden: Spielregeln, Bauplan und Instanzierung.

Das Erfolgsrezept: Mit drei Faktoren können Ökosysteme schnell und erfolgreich realisiert werden

1. Spielregeln

Sich entwickelnde Ökosysteme bilden ein dynamisches Zusammenspiel von Ressourcen, gemeinsam genutzten Daten und Technologien. Damit geht die Frage einher, wie Organisationen die bestehenden Barrieren, die oftmals aus vorhandenen Strukturen und Prozessen hervorgehen, beiseiteschaffen können, um die Möglichkeiten von Ökosystemen vollständig nutzen zu können.

Hierzu benötigt es festgelegte Prinzipien bzw. ein Set-up von Spielregen, nach denen alle Akteure im Ökosystem handeln. Dieses Set-up bildet den Rahmen für die Zusammenarbeit und koordiniert den Austausch von Services und Dienstleistungen. Zu diesen Spielregeln gehören beispielsweise technische Standards, um die Qualität und Sicherheit der entwickelten Services zu gewährleisten.

2. Bauplan

Etablierte Unternehmen tun sich infolge gewachsener IT-Landschaften oftmals schwer, die Möglichkeiten von Plattformen für sich zu erschließen. Und das, obwohl sie einen enormen Schatz an Fähigkeiten, Daten und Prozessen haben, der die ideale Ausgangsposition für kundenzentrierte Services bildet. Um diesen Schatz nutzen zu können, bedarf es einer Platt- form, welche die historisch gewachsenen IT-Landschaften mit modernen Technologien kombiniert und erweitert, anstatt sie gänzlich erneuern zu wollen.

Darüber hinaus verdeutlicht die wachsende Anzahl und die Komplexität neuer Anwendungen die Sinnhaftigkeit einer einheitlichen Architektur, nach der alle Akteure im Ökosystem Services bauen und integrieren. Für die Entwicklung von End-to-End durchdachten Services wird ein technischer Bauplan benötigt, den jegliche Akteure schnell und eigenständig, je nach individuellem Bedarf, anwenden und umsetzen können.

Die Grundvoraussetzung eines solchen Bauplans, der nach Belieben zusammengesteckt werden kann, sind Microservices – kleine, entkoppelte Dienste, die als eigenständiger Prozess laufen und über APIs miteinander kommunizieren. Diese können schnell und flexibel angepasst, erweitert und ausgetauscht werden. Sie gewährleisten einen modularen Aufbau von kundenzentrierten Lösungen und realisieren Vorteile wie Wiederverwendbarkeit, Offenheit, Transferierbarkeit und Skalierbarkeit.

Ein möglicher Bauplan ist die Service Dominierte Architektur, die aus der Service-Dominierten Logik und der Servicewissenschaft entwickelt wurde. Der Ausgangspunkt jeglichen Handelns ist demnach nicht mehr produkt- bzw. güterorientiert. Stattdessen wird interaktiv und gemeinsam mit dem Akteur Kunde das Wertversprechen gestaltet, um für ihn Gebrauchsnutzen zu schaffen. Diese Logik spiegelt sich dann auch in der Architektur der Plattform, die Service Dominierte Architektur, wider.

3. Instanzierung

Versicherungen verfügen über eine große Menge an sensiblen Kundendaten, die dem gesetzlichen Datenschutz unterliegen. Dementsprechend müssen höchste Sicherheitsstandards in jeglichen Services umgesetzt werden, um die Sicherheit dieser Daten zu gewährleisten und die regulatorischen Anforderungen im Versicherungsumfeld erfüllen zu können.

Ökosysteme bedeuten per se, dass Austausch, Interaktionen und Integrationen stattfinden. Der Aspekt der Sicherheit muss dabei ständig berücksichtigt werden. Cloud-Technologien ermöglichen es, eigene technische Umgebungen, sogenannte Instanzen, nach Bedarf bereitzustellen. Jedes Unternehmen mit einer eigenen Nutzerinstanz hat die vollständige Hoheit über die eigenen Daten und kann selbst entscheiden, was mit dem Ökosystem geteilt wird.

Diese Instanzierung wird auch bei onpier umgesetzt. Jedes Versicherungsunternehmen erhält eine eigene Instanz, auf welcher der Versicherer sich einen beliebigen Use Case über den Servicekatalog installieren und in seine originäre Umgebung einbinden kann. Benötigte Kundendaten aus den Kernsystemen des Versicherers können bei Bedarf über eine API auf die Instanz gespielt werden, wo sie mit weiteren Kundendaten angereichert werden. Nach Einverständnis des Versicherungsnehmers werden diese Daten an den Serviceanbieter übermittelt. So werden Daten sicher verfügbar gemacht, ohne dass der Versicherer dabei die Hoheit über die Daten verliert. Auch zwischen den einzelnen Instanzen der jeweiligen Versicherer findet kein Datenaustausch statt, um die hohen Sicherheitsanforderungen zu gewährleisten.

Fazit

Bei kundenzentrierten Lösungen führt an Ökosystemen kein Weg vorbei. Unserer Ansicht nach, können mit den vorgestellten drei Erfolgsfaktoren Ökosysteme schnell, einfach und End-to-End umgesetzt werden – die B2B2C-Plattform onpier ist der Beweis. Für die einzelnen Unternehmen der Versicherungsbranche stellt sich jetzt nur noch die Frage, welche Rolle sie zukünftig in Ökosystemen einnehmen möchten. Denn „der Tausch von digitalen Lösungen (Services) ist der Handel des 21. Jahrhunderts“3. Und wie Charles Darwin bereits feststellte:

„Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, es ist diejenige, die sich am ehesten dem Wandel anpassen kann.“

– Charles Darwin

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