KI zur Dokumentenprüfung in Versicherungen – So geht’s

KI zur Dokumentenprüfung

Ein mittelgroßer Versicherer verarbeitet täglich hunderte Dokumente: Schadensmeldungen, Gutachten, Arztberichte, Policen, Rechnungen, Vollmachten. Jedes davon muss gelesen, klassifiziert, auf Vollständigkeit geprüft und in die richtigen Systeme übertragen werden. Manuell dauert das Stunden und es entstehen Fehler.

KI zur Dokumentenprüfung in Versicherungen verändert diesen Ablauf grundlegend. Statt eines Sachbearbeiters, der Seite für Seite durcharbeitet, übernimmt ein KI-System die Erstsichtung: es liest, versteht, extrahiert und klassifiziert. In Sekunden, rund um die Uhr, mit konsistenter Genauigkeit.

Warum manuelle Dokumentenverarbeitung in der Versicherungsbranche an ihre Grenzen stößt

Der Versicherungsbetrieb ist dokumentenintensiv wie kaum eine andere Branche. Allein im Schadensmanagement fallen pro Fall im Schnitt 15–30 Dokumente an. Aus unterschiedlichen Quellen, in unterschiedlichen Formaten, mit unterschiedlicher Qualität.

Das Problem dabei:

  • Zeitaufwand: Ein Sachbearbeiter braucht für die manuelle Erfassung eines komplexen Schadenspakets oft 30–60 Minuten. Bei tausenden Fällen pro Monat summiert sich das zu einem enormen Kapazitätsproblem.
  • Fehlerquellen: Tippfehler, übersehene Felder, falsche Zuordnungen. Manuelle Dateneingabe ist fehleranfällig, besonders bei Routineaufgaben.
  • Medienbrüche: Dokumente kommen per Post, E-Mail, App-Upload und Fax. Die manuelle Zusammenführung in ein System ist aufwändig und fehleranfällig.
  • Sprachbarrieren: Internationale Versicherer und Rückversicherer erhalten Dokumente in Dutzenden Sprachen, manuell kaum skalierbar.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Qualifizierte Sachbearbeiter werden für Dokumentenprüfung eingesetzt. Eine Aufgabe, die weder ihr Fachwissen verlangt noch ihrer Arbeitszufriedenheit nützt.

Wie KI-basierte Dokumentenverarbeitung in Versicherungen funktioniert

Moderne Dokumentenverarbeitung mit KI kombiniert mehrere Technologien zu einem durchgängigen Prozess:

1. Dokumentenerkennung und -klassifikation Die KI identifiziert automatisch, um welchen Dokumenttyp es sich handelt: Rechnung, Arztbericht, Schadensfoto, Vollmacht, Gutachten. Dazu nutzt sie Optical Character Recognition (OCR), Natural Language Processing (NLP) und Layoutanalyse, auch bei gescannten oder fotografierten Dokumenten mit niedriger Qualität.

2. Informationsextraktion Relevante Datenpunkte werden automatisch herausgelesen: Namen, Adressen, Schadensbeträge, Vertragsnummern, Diagnosen, Daten. Die KI versteht nicht nur Felder in strukturierten Formularen, sie findet relevante Information auch in Fließtext und unstrukturierten Anhängen.

3. Vollständigkeits- und Konsistenzprüfung Stimmen die Angaben im Antrag mit dem eingereichten Arztbericht überein? Fehlen Pflichtdokumente für die Weiterbearbeitung? Gibt es Widersprüche zwischen verschiedenen Unterlagen? Das System markiert Lücken und Abweichungen, ohne manuelles Nachhaken.

4. Routing und Weiterleitung Vollständige, unkomplizierte Fälle laufen automatisch in den nächsten Prozessschritt. Komplexe oder unvollständige Fälle landen mit vollständiger Voranalyse beim zuständigen Sachbearbeiter, inklusive Hinweis, was fehlt oder geprüft werden muss.

Das Ergebnis ist kein Ersatz für menschliche Sachbearbeiter, sondern eine drastische Reduktion der Routinearbeit: Statt Dokumente zu lesen und einzutippen, entscheiden und beraten Mitarbeitende.

Praxisbeispiel: Wie Zurich North America KI-gestützte Dokumentenverarbeitung im Underwriting einsetzt

Zurich North America, einer der größten gewerblichen Versicherer der Welt, hat im Dezember 2025 seine KI-gestützte Dokumentenverarbeitung im Underwriting weiter ausgebaut, in Partnerschaft mit dem Spezialanbieter Convr AI.

Das System automatisiert die Verarbeitung von ACORD-Formularen, Loss-Run-Berichten und weiteren Underwriting-Dokumenten im gewerblichen Schaden- und Unfallversicherungsbereich. Konkret bedeutet das: Eingehende Dokumente werden automatisch eingelesen, klassifiziert und die relevanten Risikodaten extrahiert, ohne manuelle Dateneingabe durch Underwriter.

ACORD-Formulare sind der Industriestandard in der gewerblichen Versicherung: mehrseitige, strukturierte Risikofragebögen, die von Maklern und Unternehmen ausgefüllt werden. Loss Runs sind historische Schadensverläufe eines Kunden, oft unstrukturierte PDFs mit Dutzenden Einträgen, aus denen Underwriter manuell die relevanten Kennzahlen herausarbeiten mussten. Genau hier setzt die KI an.

Ziel ist es, Underwriter von Dokumentenroutine zu befreien und Kapazitäten für die eigentliche Risikobeurteilung freizusetzen. Zurich hat sich zum Ziel gesetzt, ein „KI-geführter Versicherer“ zu werden, die Dokumentenverarbeitung ist ein zentraler Baustein auf diesem Weg.

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30 % schnellere Softwareentwicklung mit KI-Agenten in der Versicherungsbranche

In einem groß angelegten Projekt mit ursprünglich 500 Personentagen zeigte sich bereits nach dem ersten Monat, dass der Aufwand höher als geplant sein würde. Der Umstieg auf KI-gestützte Softwareentwicklung hat das Blatt gewendet: Nach einer einmonatigen Vorbereitungsphase wurde das Projekt mit nur 350 Personentagen in fünf Monaten erfolgreich abgeschlossen – und lagen damit nicht nur einen Monat vor dem ursprünglichen Endtermin, sondern auch rund 30 % unter dem geplanten Aufwand.

Welche Dokumente Versicherer mit KI verarbeiten

KI-basierte Dokumentenverarbeitung ist breit einsetzbar, in nahezu allen Sparten und Prozessen:

Schadensmanagement Schadensmeldungen, Reparaturrechnungen, Gutachten, Polizeiberichte, Arztberichte, Krankenhausrechnungen, Apothekennachweise. Die KI klassifiziert, extrahiert Beträge und Diagnosen, prüft Vollständigkeit und erkennt Auffälligkeiten.

Underwriting Antragsformulare, technische Berichte, Bilanzen, Baupläne, Wartungsnachweise. Die KI liest strukturierte und unstrukturierte Dokumente und bereitet die relevanten Risikokennzahlen auf.

Vertragsmanagement Policen, Nachträge, Maklervollmachten, Kündigungsschreiben. Die KI erkennt Vertragstyp, extrahiert Laufzeiten und Konditionen, identifiziert Änderungsbedarfe.

Kundenkommunikation Eingehende E-Mails, Beschwerden, Anfragen. Die KI klassifiziert das Anliegen, extrahiert relevante Vertragsdaten und leitet an den richtigen Bearbeiter weiter, inklusive Priorisierung nach Dringlichkeit.

 

Was bei der Einführung von KI zur Dokumentenprüfung zu beachten ist

Die Technologie ist ausgereift, aber die Einführung scheitert häufig an vermeidbaren Fehlern:

Dokumentenvielfalt unterschätzen Viele Projekte starten mit dem Gedanken, „ein paar PDFs zu automatisieren“. In der Praxis kommen Dokumente in 15 verschiedenen Formaten, mit unterschiedlicher Scan-Qualität, handschriftlichen Ergänzungen und mehrsprachigem Inhalt. Das System muss auf diese Realität trainiert werden, nicht auf Idealformen.

Keine Ground Truth = kein gutes Modell Ein KI-Modell zur Dokumentenverarbeitung braucht annotierte Trainingsdaten: Dokumente, bei denen Menschen markiert haben, welche Information wo steht. Wer diese Vorarbeit spart, bekommt ein Modell, das auf Papier funktioniert und in der Praxis versagt.

Integration in Bestandssysteme Die KI-Extraktion allein bringt wenig, wenn die Daten nicht sauber in das Kernsystem (Schadensystem, Policenverwaltung, CRM) fließen. Die Schnittstellen-Integration ist oft aufwändiger als die eigentliche KI-Entwicklung.

Regulatorische Anforderungen BaFin und EU AI Act verlangen Nachvollziehbarkeit automatisierter Entscheidungen. Systeme, die Dokumente verarbeiten und dabei Entscheidungen treffen oder vorbereiten, müssen auditfähig sein: Was hat das System gelesen? Was hat es daraus abgeleitet? Warum?

 

Fazit: Dokumentenverarbeitung mit KI, wo Versicherer echte Effizienzgewinne erzielen

KI zur Dokumentenprüfung in Versicherungen ist einer der klarsten ROI-Fälle im gesamten KI-Portfolio der Branche. Der Aufwand ist konkret messbar (Stunden pro Fall), die Fehlerquote ist bekannt, und die Verbesserung durch Automatisierung ist direkt sichtbar.

Zurich North America zeigt, dass selbst hochkomplexe, unstrukturierte Dokumente (technische Risikoberichte mit Dutzenden Seiten) automatisiert verarbeitet werden können. Die Frage ist nicht mehr ob die Technologie funktioniert. Die Frage ist, wie schnell Ihr Unternehmen von der manuellen Dokumentenprüfung zu einem automatisierten, KI-gestützten Prozess kommt.

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