Fachkräftemangel in IT-Abteilungen: Warum KI allein Versicherungen nicht retten wird
Die Diskussion um Künstliche Intelligenz erreicht derzeit ihren Höhepunkt – auch und gerade in der Versicherungsbranche. In der öffentlichen Wahrnehmung entsteht dabei oft ein Bild, als stünde der massive Personalabbau unmittelbar bevor: IT-Abteilungen sollen automatisiert, Prozesse vollständig von Algorithmen übernommen und Menschen durch intelligente Systeme ersetzt werden.
Die Realität in vielen Versicherungsunternehmen sieht jedoch deutlich nüchterner aus.
Zwischen Hype und Realität: Der Fachkräftemangel bleibt
In der Praxis kämpfen IT-Abteilungen in Versicherungen weniger mit übermäßiger Automatisierung, sondern vielmehr mit einem ganz anderen Problem: dem akuten Fachkräftemangel. Gut ausgebildete Entwickler, Architekten und Prozessspezialisten sind rar. Gleichzeitig steigen die Anforderungen kontinuierlich – regulatorisch, technologisch und fachlich.
Die Folge: IT-Teams arbeiten am Limit, während strategische Themen immer wieder verschoben werden müssen. Dabei ist der Engpass selten fehlendes Know-how zu KI oder autonomen Agenten. Viel häufiger fehlt eine ganz andere Grundlage.
Das eigentliche Problem: fehlende Digitalisierung
Das Kernproblem vieler IT-Abteilungen in Versicherungen ist nicht die Abwesenheit von KI – sondern die unzureichende Digitalisierung bestehender Prozesse.
In zahlreichen Unternehmen laufen zentrale Abläufe noch immer analog oder halb-digital ab. Risikomeldungen erreichen Sachbearbeiter per E-Mail, teilweise sogar per Fax. Diese Informationen werden anschließend manuell geprüft, interpretiert und in Datenbanken übertragen. Tag für Tag. Von hochqualifizierten Fachkräften.
Aus Sicht des Fachkräftemangels ist das besonders kritisch: Wertvolle Kapazitäten werden durch repetitive Tätigkeiten blockiert, statt für Architektur, Modernisierung oder Innovation genutzt zu werden.
Warum KI hier noch nicht hilft
Theoretisch könnte KI genau an dieser Stelle enorme Mehrwerte liefern – Dokumente automatisch erfassen, Inhalte klassifizieren, Daten extrahieren, Entscheidungen vorbereiten. Doch genau hier liegt der Denkfehler vieler Digitalisierungsinitiativen.
Ohne durchgängig digitale Basisprozesse gibt es schlicht nichts, worauf KI sinnvoll aufbauen kann. Wenn Informationen unstrukturiert eingehen, Medienbrüche bestehen und Prozesse nicht eindeutig modelliert sind, bleibt KI wirkungslos. Anders formuliert: KI kann schlechte Prozesse nicht reparieren – sie skaliert sie nur.
Fachkräftemangel trifft auf Systemlandschaften von gestern
Der Fachkräftemangel in IT-Abteilungen wird zusätzlich dadurch verschärft, dass viele Versicherungen mit historisch gewachsenen Systemlandschaften arbeiten. Legacy-Systeme, individuelle Schnittstellen und manuelle Workarounds sorgen dafür, dass IT-Fachkräfte ihre Zeit nicht mit wertschöpfenden Aufgaben verbringen, sondern mit Betrieb, Pflege und Fehlerbehebung.
Gerade in einem Arbeitsmarkt, in dem IT-Talente freie Wahl haben, wird das zum Wettbewerbsnachteil. Moderne Fachkräfte erwarten zeitgemäße Architekturen, klare Prozesse und Automatisierung dort, wo sie sinnvoll ist.
30 % schnellere Softwareentwicklung mit KI-Agenten in der Versicherungsbranche
In einem groß angelegten Projekt mit ursprünglich 500 Personentagen zeigte sich bereits nach dem ersten Monat, dass der Aufwand höher als geplant sein würde. Der Umstieg auf KI-gestützte Softwareentwicklung hat das Blatt gewendet: Nach einer einmonatigen Vorbereitungsphase wurde das Projekt mit nur 350 Personentagen in fünf Monaten erfolgreich abgeschlossen – und lagen damit nicht nur einen Monat vor dem ursprünglichen Endtermin, sondern auch rund 30 % unter dem geplanten Aufwand.
Digitalisierung als Voraussetzung für Automatisierung
Genau deshalb setzen wir bei der SDA bewusst früher an. Unser Fokus liegt nicht darauf, möglichst schnell KI-Agenten einzuführen, sondern zunächst die Kernprozesse von Versicherungen sauber zu digitalisieren und zu automatisieren.
Erst wenn Prozesse durchgängig digital, klar strukturiert, technisch entkoppelt und fachlich nachvollziehbar sind, entsteht eine belastbare Grundlage für weiterführende Automatisierung. Diese Basis ist entscheidend, um den Fachkräftemangel in IT-Abteilungen nachhaltig zu adressieren. Denn erst dann können IT-Teams entlastet und auf strategische Aufgaben fokussiert werden.
Agenten brauchen stabile Prozesse
Aktuell wird viel über Agenten gesprochen – autonome oder teilautonome Systeme, die Aufgaben selbstständig übernehmen. In der Theorie klingt das vielversprechend, insbesondere für Versicherungen mit hohem Prozessvolumen.
In der Praxis zeigt sich jedoch schnell: Agenten sind nur so gut wie die Prozesse, in die sie eingebettet sind. Fehlen klare Zuständigkeiten, saubere Datenmodelle oder stabile Schnittstellen, entstehen neue Komplexitäten statt Entlastung. Das wiederum erhöht den Druck auf ohnehin knappe IT-Ressourcen.
Digitalisierung entlastet Menschen – nicht umgekehrt
Ein häufiger Denkfehler in der Diskussion rund um KI und Fachkräftemangel ist die Annahme, Technologie müsse Menschen ersetzen. In erfolgreichen Digitalisierungsprojekten passiert meist das Gegenteil.
Digitale Prozesse und Automatisierung entlasten Fachkräfte von Routinetätigkeiten. Sie schaffen Raum für Architektur- und Systemdesign, Qualitätssicherung, Weiterentwicklung von Fachlogik sowie Zusammenarbeit mit Fachabteilungen. Gerade in Versicherungen, wo Domänenwissen essenziell ist, bleibt der Mensch ein zentraler Faktor.
Warum der Fachkräftemangel strategisch gedacht werden muss
Der Fachkräftemangel in IT-Abteilungen ist kein temporäres Problem. Demografischer Wandel, steigende Nachfrage und zunehmende technologische Komplexität werden ihn weiter verschärfen.
Versicherungen, die heute ausschließlich auf neue Tools oder KI-Lösungen setzen, ohne ihre Prozesse zu modernisieren, werden mittelfristig an Grenzen stoßen. Strategisch sinnvoll ist es, zuerst die Grundlagen zu schaffen: Prozesse vereinfachen, Medienbrüche eliminieren, Automatisierung gezielt einsetzen. Erst danach entfalten KI und Agenten ihren echten Mehrwert.
Fazit: KI ist kein Ersatz für Digitalisierung
Ohne funktionierende digitale Prozesse bleibt KI ein Buzzword. Mit sauberen, automatisierten Abläufen wird sie zum echten Hebel gegen den Fachkräftemangel.
Für Versicherungen bedeutet das: Nicht „KI zuerst“, sondern Digitalisierung zuerst. Erst dann lassen sich Agenten sinnvoll integrieren, IT-Abteilungen nachhaltig entlasten und der Fachkräftemangel in IT-Abteilungen strategisch bewältigen.
Die Frage an die Praxis bleibt: Wie sind Ihre Erfahrungen? Fehlen auch in Ihrem Unternehmen oft erst die Basics der Digitalisierung, bevor überhaupt sinnvoll an KI gedacht werden kann?
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